
Ein heißer Cappuccino, der Duft reifer Feigen im Garten und die milde Herbstsonne über den Olivenhainen – so beginnen heute viele meiner Tage in Italien.
Klingt traumhaft? War es nicht immer.
Noch vor ein paar Jahren saß ich in München am Schreibtisch und koordinierte Bewerbungen. Ich mochte meinen Job im Personalwesen und spürte trotzdem, dass mir etwas fehlte: Freiheit.
2021 machte ich den ersten Schritt. Ich reduzierte meine Arbeitszeit und startete nebenbei ein kleines E-Commerce-Projekt.
Was als Experiment begann, wurde der Anfang eines komplett anderen Lebens.
Heute arbeite ich ortsunabhängig und habe mir Schritt für Schritt ein Leben in Italien aufgebaut.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie dieser Weg wirklich aussieht – mit Höhen, Rückschlägen und ganz praktischen Fragen zu Steuern, Visa und Bürokratie.
Und warum ortsunabhängige Selbstständigkeit kein Luftschloss ist.
1. Wie alles anfing: zwischen Bürojob und Herzensprojekt
Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich bei einem Spaziergang mit meiner Mutter –die übrigens, genauso wie auch mein Vater, bereits seit Jahrzehnten selbständig ist und mich somit beide damit prägten– zum ersten Mal laut aussprach: „Ich möchte auch etwas Eigenes machen.“ Damals war ich festangestellte HR–Managerin, arbeitete Vollzeit und war an feste Strukturen und Hierarchien gewöhnt. Doch das Gefühl, abhängig von einem Arbeitgeber zu sein und wenig selbst entscheiden zu dürfen, nagte an mir. Mir war aber natürlich bewusst, dass sich eine Selbständigkeit nicht von heute auf morgen aufbaut und ich mich Schritt für Schritt herantasten müsste. Während der Corona Pandemie war ich einige Zeit in Kurzarbeit und hatte Freiräume, um an kreativen Ideen zu arbeiten – so entstand im Dezember 2020 dann die Idee für ein Herzensprojekt, das ich innerhalb kürzester Zeit in die Realität umsetzte: zitappy. Selbstentwickelte Kartensets mit Reflexionsfragen, die zum Nachdenken anregen und als Spiel auch die Verbindung unter Freunden, in der Familie und unter Kollegen vertiefen und stärken.
Deshalb kürzte ich auch nach der Kurzarbeit meine Arbeitszeit und gewährte mir einen freien Tag pro Woche – meine Zeit für zitappy.
In diesem kleinen Projekt lernte ich vieles zum ersten Mal: Wie man ein Gewerbe anmeldet, eine Steuernummer beim Finanzamt beantragt, den Umgang mit WordPress, E‑Mail‑Marketing, SEO, wie man Instagram als Business-Account führt, die Kommunikation zur Produktionsfirma, wie man Preise kalkuliert und vieles mehr. Mein großes Glück war, dass ich von Anfang an sowohl von meinen Eltern als auch von meinem Partner sehr unterstützt wurde. Insbesondere meine Mutter half mir an so vielen Stellen: als Grafikdesignerin gestaltete sie die Website und das Kartenset selbst. Mein Vater las als hauptberuflicher Autor alle Texte Korrektur, zum Beispiel die “Spielanleitung” und die Fragen auf den 100 Karten.
Es war sehr herausfordernd, all das von Null auf zu lernen und sich so viel Wissen anzueignen. Aber ich war so von meiner Überzeugung für dieses Produkt getrieben, dass ich immer weiter machte und so bereits im Juli 2021, also nur etwa ein halbes Jahr nach der ersten Idee, bereits das fertige Produkt launchte. Innerhalb der darauffolgenden 3 Monate launchte ich bereits eine zweite Version – ein Kartenset speziell für Paare und verkaufte innerhalb der ersten Monate bereits einen Großteil der ersten Auflage.
Ich hatte große Pläne mit diesem Projekt und wollte mehrere Editionen rausbringen. Meine Vision, schnell größer zu werden, um die finanziellen Mittel für weitere Produktionen zu haben, ließen mich aber leider auch Fehler machen. So gab ich beispielsweise verhältnismäßig viel Geld für eine Facebook-Kampagne aus, die letztendlich zu nichts führte. Das frustrierte und enttäuschte mich so sehr, dass ich übergangsweise überhaupt keine Lust mehr hatte, weiterzumachen. Nach dem Ausverkauf der ersten Auflage musste ich auch noch feststellen, dass die Produktionskosten seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine um 40% gestiegen waren – und entschied mich, erstmal nicht mehr weiterzumachen.
Noch heute ist zitappy mein absolutes Herzensprojekt und ich möchte mir offen halten, eines Tages wieder etwas daraus zu machen – wer weiß, was die Zeit mit sich bringt…
2. Der Sprung ins Unbekannte: Vollzeit‑Selbstständigkeit und Weltreise
Im Frühsommer 2022 standen mein Partner Carlos und ich mit unserem Gepäck in der Hand in unserer leeren Münchner Wohnung. Wir hatten unsere Jobs gekündigt, die Wohnung untervermietet und uns online selbständig gemacht – mit lediglich 5.000 Euro Erspartem. Mutig? Vielleicht. Naiv? Vielleicht auch das. Aber wir wussten: Wenn nicht jetzt, wann dann? Auch die Corona-Pandemie hatte in uns den großen Wunsch ausgelöst, “raus zu kommen” und die Welt zu erkunden.
2.1 Von München in die Welt – mit dem Laptop
Unser erster Stopp: das Ferienhaus meines Vaters in den Abruzzen. Dort konnten wir ein paar Monate mietfrei wohnen, sparen und unsere Projekte weiterentwickeln. Danach ging es für sieben Monate durch Mittel‑ und Südamerika – Dominikanische Republik, Mexiko, Kolumbien. Wir arbeiteten von Cafés, Coworking‑Spaces und manchmal auch aus der Hängematte.
Ich werde nie vergessen, wie ich auf einer Dachterrasse in Mexiko saß und meine erste digitale Workshop‑Reihe als Stressmanagement-Trainerin plante. Im vergangenen Jahr hatte ich mehrere Weiterbildungen zur Stressmanagement Trainerin, Beraterin für Burnout-Prävention und als Meditationslehrerin abgelegt und wollte gemeinsam mit meinem Wissen rund um das Human Resources Management aus der Festanstellung sowohl Privatpersonen als auch Firmen Workshops zum Erhalt der mentalen Gesundheit im stressigen Berufsalltag anbieten. Doch ich merkte schnell, dass das (noch) nicht ausreicht und es Zeit braucht, bis man sich eine Community aufgebaut und Vertrauen bei Kunden aufgebaut hat. Es musste also eine weitere Tätigkeit her – und da kam mir der Austausch mit einer Bekannten, die selbst als Freiberuflerin tätig ist, sehr gelegen. Sie empfahl mir die Tätigkeit als virtuelle Assistenz, wo ich all das, was ich auch aus der Festanstellung und in meiner eigenen Selbständigkeit gelernt hatte, freiberuflich als Dienstleistung anbieten könnte.
Langsam wurde nämlich auch klar: wenn ich, und auch mein Partner Carlos, nicht bald mehr Geld verdienen würde, müssten wir die Reise abbrechen und zurück nach Deutschland gehen. Und wie es das Schicksal so wollte, fanden wir genau dann, als es wirklich brenzlig wurde, beide neue Kunden für langfristige Projekte. Ich begann unter anderem mit einer Presseagentur zusammenzuarbeiten (der Kontakt entstand über private Kontakte) und mit einer Solo-Selbständigen, die Menschen beim Immobilienkauf in Italien unterstützt. Diesen Job fand ich über eine Facebookgruppe für Virtuelle Assistenten.
Dieses Patchwork aus verschiedenen Jobs gab uns mehr Sicherheit. Und es brachte Abwechslung – ich liebe es bis heute, unterschiedliche Themen parallel zu betreuen.
3. Leben als digitale Nomaden: Freiheit mit Disziplin
Auf Instagram sieht das Leben als digitale Nomaden traumhaft aus. In Wirklichkeit ist es ein tägliches Balancieren zwischen Arbeit, WiFi‑Suche, Reiseplanung und genug Zeit für Erkundungen zu schaffen. Drei Dinge stellten wir sehr schnell für uns fest und waren für mich entscheidend, um diesen Lebensstil genießen zu können:
- Langsam reisen. Wir entschieden uns, immer mindestens einen Monat an einem Ort zu bleiben. So hatten wir die Möglichkeit, richtig anzukommen, an unseren freien Tagen die Umgebung zu erkunden und mit Locals in Kontakt zu kommen – gleichzeitig aber auch weiterhin produktiv an unseren Projekten dranzubleiben. Teilweise blieben wir sogar 3 Monate an einem Ort, zum Beispiel in der Dominikanischen Republik.
- Infrastruktur prüfen. Vor jedem Ortswechsel checkten wir die Internetgeschwindigkeit in der Unterkunft, Coworking‑Spaces in der Nähe und ob wir in der Unterkunft ausreichend Platz haben, um uns beide zumindest einen kleinen Arbeitsplatz einzurichten (meist arbeitete einer von uns am Küchentisch und einer auf der Couch :-))
- Community pflegen. Selbstständigkeit kann tatsächlich ziemlich einsam sein. Bereits in den ersten Monaten fehlte uns das Gefühl von Teamzugehörigkeit. Wir bemühten uns also aktiv darum, ein Netzwerk Gleichgesinnter aufzubauen, was wir vor allem über unseren Instagram-Kanal schafften, mit denen wir uns dann auf Reisen auch “im echten Leben” trafen. Auch heute noch sind wir begeistert, was für wunderbare Kontakte darüber entstehen können und haben mittlerweile sogar ein paar enge Freundschaften dadurch gewonnen.
Außerdem habe ich gelernt, Arbeit und Freizeit klar zu trennen. Ein Laptop am Strand ist nur für Instagramfotos gemütlich; in Wirklichkeit reflektiert die Sonne den Bildschirm und der Sand hängt in der Tastatur. Besser: morgendliche Stunden im Coworking, nachmittags Zeit für Erkundungen (und meist dann abends nochmal ein paar Stunden am Laptop).
Wenn man all das berücksichtigt und den richtigen “Flow” für sich gefunden hat, kann ich aber nur bestätigen: das Leben als digitale Nomaden kann ziemlich traumhaft sein und ich würde es nicht mehr missen wollen 🙂
4. Die Abruzzen – mein zweites Zuhause wird zur neuen Base
Die Abruzzen haben mein Herz schon als Teenager erobert. Mein Vater kaufte dort 2006 ein kleines Ferienhaus in Pratola Peligna, und seither reiste ich jedes Jahr in diese noch sehr unberührte Region. Hier findet man kilometerlange Küsten, klare Bergseen, authentische Dörfer und echte Gastfreundschaft. Fern von den Touristenmassen der Toskana oder der Amalfiküste ist hier noch alles ursprünglich – perfekt für Naturliebhaber und Menschen, die die Italien erleben möchten, wie es früher war.
Nach 1,5 Jahren auf Reisen sehnten wir uns langsam wieder nach einer festen Basis. Auf Dauer strengte es uns an, keinen langfristigen Rückzugsort zu haben, in dem wir uns einrichten konnten. Wir waren uns aber noch unsicher: wollen wir weiter reisen und einfach noch länger an einem Ort bleiben, z.B. für 6 Monate, soll es ganz zurück nach München gehen, oder wäre es sogar eine Option, nach Italien zu ziehen…?
5. Ein Haus in drei Wochen: Unser casa abruzzo
Manchmal stellt sich das Schicksal an die nächste Ecke. Im September 2023 schlenderten wir über den Freitagsmarkt in Pratola, als mein Vater uns ein älteres Ehepaar aus Neuseeland vorstellte. Sie führten seit 18 Jahren ein Bed & Breakfast mit Kochschule in Vittorito und wollten zurück nach Hause. „Schaut es euch doch mal an“, sagten sie. Ohne Erwartung fuhren wir hin – und waren sprachlos. Ein unscheinbares Haus von außen, innen ein rustikales Juwel mit großer Terrasser mit Bergblick, Garten, kleinem Pool und einem Gewölbe‑Kochstudio. Es war Liebe auf den ersten Blick.
Wir handelten recht impulsiv. Zwei Tage später gaben wir uns per Handschlag das Jawort und hatten drei Wochen Zeit, alles zu regeln: Notartermin, Unterlagen, Finanzierung. Hier eine kleine Checkliste für alle, die ähnliches planen:
- Codice Fiscale – die Steuernummer. Bekamen wir innerhalb von 30 Minuten in der Agenzia delle Entrate. Null Euro Kosten.
- APE – der Energieausweis. Er wird vom Geometra erstellt, die Kosten trugen die Verkäufer.
- Gebäudeplan – unser Plan war veraltet, also ließ der Geometra einen neuen anfertigen – auch diese Kosten trugen die Verkäufer.
- Certificato di destinazione urbanistica – für denkmalgeschützte Orte wie unser Haus nötig und erhielten wir von der Comune vor Ort.
Das alles besorgten wir in 1,5 Wochen – dank meiner Italienischkenntnisse und ziemlich hartnäckigem Nachfragen bei den Ämtern. Am 3. Oktober 2023 unterschrieben wir den Kaufvertrag. Weil wir die Immobilie als Erstwohnsitz anmeldeten, zahlten wir nur 2 % Registersteuer statt der üblichen 9 % – ein nicht unwesentlicher Vorteil. Die Abruzzen sind preislich immer noch recht erschwinglich, aber man sollte trotzdem einen Puffer einplanen.
6. Bürokratie & Budget: aus Deutschland abmelden, in Italien anmelden
Im Frühjahr 2024 machten wir den Schritt endgültig, nachdem wir nach dem Kauf noch weitere 6 Monate in Asien auf Reisen waren: Gewerbeabmeldung in Deutschland, Anmeldung in Italien. Das deutsche Gewerbe zu schließen war einfacher als gedacht – wichtig ist nur, dass alle Rechnungen gestellt sind und keine Einnahmen mehr aus Deutschland fließen.
Steuern, Visum & Co: trocken, aber wichtig
Als EU‑Bürger*innen brauchten wir kein Visum für Italien. Das berühmte Digital‑Nomad‑Visum, das 2024 eingeführt wurde, richtet sich vor allem an Nicht‑EU‑Freelancer. Es verlangt ein Mindesteinkommen von 28–30 Tsd. € und gilt nur für Remote‑Work. Für uns als EU-Bürger bedeutete das: Wir mussten uns lediglich bei der Gemeinde anmelden, wenn wir länger als drei Monate bleiben und den Wohnsitz beim Ufficio Anagrafe, also in der Comune unseres Wohnorts, registrieren.
Steuerlich gibt es zwei wesentliche Optionen: das Regime forfettario und das progressive Steuersystem. Ersteres ist wie eine Flatrate: Bis zu einem Jahresumsatz von 85.000 € zahlt man nur 5 % Steuern in den ersten fünf Jahren, danach 15 %. Keine Umsatzsteuer, weniger Papierkram, aber man darf nicht mehr als 35.000 € aus Angestelltentätigkeiten beziehen und muss einen ATECO‑Code wählen, der die Tätigkeit beschreibt (z.B. Marketing Dienstleistungen). Der zu versteuernde Gewinn wird über einen Ertragskoeffizienten berechnet.
Wer höhere Kosten hat oder die Umsatzgrenze sprengt, wählt das progressive System mit Steuersätzen zwischen 23 % und 43 %. Es gibt auch ein New‑Resident‑Regime, bei dem 50% der Einkommen fünf Jahre lang steuerfrei sind, aber das ist eher für Angestellte interessant.
Für uns mit überschaubaren Ausgaben war das Regime forfettario die beste Wahl. Ein wichtiger Hinweis für alle Auswanderer: Italien möchte dein weltweites Einkommen kennen. Wer mehr als 183 Tage im Jahr dort lebt, wird steuerlich ansässig und muss ausländische Konten deklarieren. Das klingt abschreckend, ist aber mit einer guten Steuerberatung machbar.
In Italien meldeten wir uns nun also beim Melderegister (Anagrafe) an, suchten uns einen guten Commercialista (er wurde uns empfohlen – und generell läuft in Italien vieles über “Vitamin B” und Kontakte!) und eröffneten gemeinsam mit ihm eine Partita IVA (Steuernummer) im Regime forfettario. Damit werden 78 % unseres Umsatzes als steuerpflichtig angesetzt – ein fairer Satz, wenn man bedenkt, dass wir kaum Ausgaben haben.
Wenn du EU‑Bürger*in bist, brauchst du keine spezielle Genehmigung, um in Italien selbstständig zu arbeiten. Ein gültiger Ausweis und die Meldung deines Wohnsitzes beim Anagrafe / bei der Comune reichen unserer Erfahrung nach aus. Die Krankenversicherungs- und Sozialversicherungsbeiträge werden beim Regime forfettario einmal jährlich eingezogen und betragen ca. 25% des Einkommens.
Eine Frage, die mir oft gestellt wird: Was kostet das Leben in Italien? In den Abruzzen ist das Leben noch recht günstig – es gibt Immobilien ab 10.000 €, die sind dann aber stark renovierungsbedürftig. Aber eine gut instandgehaltene, kleine Immobilie findet man bereits ab ca. 80.000 €. Auch die Mietpreise sind recht günstig: für ca. 400-500 Euro monatlich findet man eine großzügige, sanierte Wohnung. Dennoch muss einem bewusst sein, dass die Lebensmittelpreise und Nebenkosten wie Strom, Gas, Wasser auf einem ähnlichen, wenn nicht sogar höheren Niveau liegen wie beispielsweise in Deutschland.
7. Ein Gästehaus aufbauen: mehr Arbeit als gedacht
Im April 2024 zogen wir endgültig nach Italien. Was danach folgte, war monatelange Renovierung (deutlich mehr, als wir anfangs erwarteten), viel Organisation und zig Behördengänge (ja, die Bürokratie kann noch aufwendiger sein, als in Deutschland :-)). Wir sanierten die Gästezimmer, beantragten Genehmigungen, bauten das Gewölbe‑Kochstudio aus und holten Köch*innen und Partner aus der Region ins Boot.
Seit September 2024 heißen wir Gäste willkommen und bieten gemeinsam mit einer abruzzesischen leidenschaftlichen Köchin Kochkurse für authentisch italienische Küche an. Unsere Kurse dauern meist eine Woche und verbinden kulinarische Workshops mit Ausflügen in die Region. Der Moment, in dem die ersten Gäste auf unserer Terrasse saßen und ihren Aperitivo genossen, war einfach magisch. Gleichzeitig ist ein Gästehaus harte Arbeit, vor allem neben unserer Selbständigkeit online: Viel Wäsche waschen, Putzen, E‑Mails beantworten, Marketing betreiben. Doch die Begegnungen mit den Menschen und die wunderbare Atmosphäre, die zum Beispiel beim gemeinsamen Essen auf unserer Terrasse nach einem Kochkurs entsteht, ist einfach wunderschön und macht uns glücklich. Genau diese Vision hatten wir, als wir damals das Haus kauften – einen gemeinsamen Genussort für uns und Gleichgesinnte zu schaffen.
8. Was ich gelernt habe – Tipps für deine eigene Reise
8.1 Vielfalt schafft Sicherheit
Wenn ich nur einen Tipp geben dürfte, dann diesen: Setze nicht alles auf ein Pferd und bereite dich ausreichend vor. Wir sind ziemlich “Hals über Kopf” in die Selbständigkeit gesprungen, das muss nicht sein. Lieber erstmal nebenher in Ruhe Einnahmen generieren und Stück für Stück mit mehreren Einkommensquellen eine stabile Basis aufbauen.
8.2 Lass dich beraten
Italienische Bürokratie hat es in sich. Eine gute Steuerberatung (Commercialista) und vielleicht ein:eAnwält:in helfen, beim Immobilienkauf oder der Miete keine Fehler zu machen, für die Selbständigkeit die richtigen ATECO‑Codes zu wählen, Sozialversicherungen anzumelden und keine Fristen zu verpassen. Das Geld ist wirklich gut investiert…
8.3 Sprache ist Türöffner
Ohne meine Italienischkenntnisse hätten wir vieles nicht so leicht und schnell umsetzen können. Auch im Alltag erleichtert es vieles: beim Bäcker, beim Elektriker, beim Smalltalk mit den Nachbarn (der in Italien durchaus wichtig ist, um dich in die Gemeinschaft vor Ort zu integrieren).
8.4 Slow Travel & Work‑Life‑Balance
Weniger ist mehr: bleibe länger an einem Ort, plane feste Arbeitszeiten, gönne dir echte Pausen. Keine*r muss im Reise‑Hustle ausbrennen, und das ist tatsächlich leichter passiert, als man von außen vermuten würde.
9. Was noch kommt
Unsere Reise ist noch nicht vorbei. Die Wintermonate möchten wir weiterhin auf Reisen verbringen, während wir von April bis November in unserem Haus in Italien wohnen. Dieses Jahr geht es zum Beispiel wieder in die Dominikanische Republik, der Heimat meines Partners. Diese Kombination ist für uns ideal, denn nach der Saison in Italien freuen wir uns darauf, uns mal wieder nur auf unsere Online-Jobs konzentrieren zu können und nicht ständig im Haus zu ‘werkeln’ (es ist 450 Jahre alt und da gibt es immer was zu tun!). Gleichzeitig werden wir uns danach wieder sehr auf die Zeit in Italien und mit unseren Gästen freuen.
In den nächsten Jahren möchten wir unser Angebot rund um Kochkurse und kulinarische Reisen ausbauen und festigen und so wie wir uns kennen, werden uns immer wieder neue kreative Projekte einfallen 😉 Wer weiß, vielleicht gibt es irgendwann ein italienisches Kochbuch aus dem casa abruzzo?
Schlussgedanken
Mein Weg zur ortsunabhängigen Unternehmerin war weder gerade noch glamourös. Es gab Tage voller Begeisterung und viele voller Zweifel. Ich musste lernen, mit Unsicherheit umzugehen, mich mit Steuerrecht zu beschäftigen (mein Endgegner…) und mich auf neue Kulturen und Gegebenheiten einzulassen. Aber jede Herausforderung hat mich wachsen lassen. Heute sitze ich auf unserer Terrasse, blicke auf die Berge und denke: „Wie schön, dass ich diesen Mut aufgebracht habe.“
Wenn du den Wunsch nach mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Abenteuer in dir spürst, dann lass dich nicht von Bürokratie oder Zweifeln abhalten. Fang klein an, lerne auf dem Weg, baue dein Netzwerk auf. Es gibt so viele Möglichkeiten – ob als digitale Nomadin, als Betreiberin eines Gästehauses, als Freelancerin oder Künstler*in. Und: Du bist nicht allein.
Vielleicht sehen wir uns ja mal bei einem Glas Wein im casa abruzzo. Bis dahin wünsche ich dir Mut, Neugier und Gelassenheit auf deiner ganz persönlichen Reise!
Autor*in: za