Februar 12, 2026

Warum die meisten Gründer nicht am Business scheitern, sondern an sich selbst

Gründen ist ein großes Abenteuer. Mit vielen Hürden, Herausforderungen, kleinen und großen Erfolgen und Unsicherheiten. Eigentlich mit allem, was man fühlen kann.

Ich habe bereits mehrfach gegründet und nehme dich mit in meine Gedanken während dieser Zeit. Denn wenn ich eines gelernt habe, dann das: Deine innere Einstellung hat einen viel größeren Einfluss auf deinen Erfolg, als man denkt.

Nicht, weil ein positives Mindset alles löst, sondern weil deine Gedanken bestimmen, wie du handelst. Oft, ohne dass du es merkst.

Kennst du das Sprichwort „Energie folgt der Aufmerksamkeit“? Für mich ist das kein Spruch mehr, sondern etwas, das ich in jeder Phase meiner Selbstständigkeit gespürt habe.

Und genau da beginnt oft der Unterschied zwischen denen, die weitermachen und denen, die irgendwann aufhören.

Wie deine Gedanken deinen Erfolg steuern – ein einfaches Experiment zum Gründer-Mindset

Lass uns ein kleines Gedankenexperiment machen: Setze dich in Ruhe hin, schließe die Augen und stelle dir dich selbst bildlich vor: Deine Idee trägt Früchte. Du hast erste Erfolge, bekommst positives Feedback, die Verkaufszahlen steigen. Du freust dich und bist stolz auf dich. Lass diese Bilder und Gefühle richtig wirken.
 Und jetzt spüre nach: Wie fühlst du dich? Wahrscheinlich voller Tatendrang, motiviert, optimistisch.

Nun drehe das Bild um. Stell dir vor, die Verkäufe bleiben aus. Deine Idee findet keinen Anklang, die Konkurrenz scheint besser.
 Was macht das mit dir? Vielleicht fühlst du dich niedergeschlagen, entmutigt – obwohl es nur Gedanken waren, keine Realität. Doch genau diese Gedanken beeinflussen, wie du handelst – weil sie in erster Instanz deine Gefühle und Wahrnehmung verändern. Wenn du dich klein machst, gehst du seltener nach außen, sprichst weniger über dein Angebot – und genau dadurch wird das negative Szenario wahrscheinlicher.

Es ist menschlich, zu zweifeln oder sich zwischendurch unsicher zu fühlen. Ich bin ein großer Freund davon, auch unangenehme Gefühle anzunehmen, statt sie zu unterdrücken. Gleichzeitig können wir lernen, destruktive Gedankenmuster zu erkennen, sie bewusst ziehen zu lassen und Raum für Gedanken zu schaffen, die uns stärken.

Bei meiner ersten Gründung – meinem Herzensprojekt zitappy – habe ich das eindrücklich erlebt. Meine anfängliche Begeisterung sank schlagartig, als ich eine teure Online-Marketing-Aktion startete, die keinen einzigen Verkauf brachte. Ich verurteilte mich dafür, zog mich zurück, reduzierte meine Marketingmaßnahmen und verlor die Freude. Das Ergebnis: Die Verkäufe blieben aus. Erst als ich begriff, dass dieser „Fehler“ Teil meines Lernprozesses war, kam die Energie langsam zurück. Ich wusste nun, wie ich nicht werben wollte – und genau das war wertvoll.

  

Wie Gedanken dein Gehirn formen – die Wissenschaft hinter bewusstem Denken

Was da passiert, lässt sich heute sogar neurowissenschaftlich erklären.
 Unser Gehirn unterscheidet kaum zwischen Vorstellung und Wirklichkeit. Wenn wir uns etwas intensiv vorstellen, aktiviert das dieselben Netzwerke, als würden wir es real erleben.
 Aufmerksamkeit wirkt dabei wie ein Verstärker: Was wir oft denken, wird stabiler. Neurons that fire together, wire together – Nervenzellen, die gemeinsam aktiv sind, verknüpfen sich stärker.

Jeder Gedanke ist also ein kleiner Trainingsreiz. Gründerinnen und Gründer, die lernen, ihren Fokus bewusst zu lenken, trainieren ihr Gehirn wie einen Muskel. Wer immer wieder denkt „Ich finde Lösungen“, stärkt genau jene Verbindungen, die kreatives, lösungsorientiertes Denken fördern.
 Wer dagegen ständig innerlich wiederholt „Ich kann das nicht“, trainiert eine innere Blockade.

Für mich war dieses Wissen ein Wendepunkt. Ich musste nicht „positiv“ denken – sondern bewusst.
 Wenn mich heute Gedanken blockieren, frage ich mich gerne: Bin ich bereit, für einen Moment zuzulassen, dass es auch gut ausgehen könnte?
 Manchmal reicht dieser kurze Gedanke, eine visuelle Vorstellung davon – und plötzlich ist wieder Bewegung drin.

Lesetipp:
 Wer tiefer verstehen möchte, warum Gedanken unser Gehirn tatsächlich verändern, dem empfehle ich „Ein neues Ich“ von Dr. Joe Dispenza – ein Buch, das eindrücklich erklärt, wie Fokus und Vorstellungskraft neuronale Bahnen formen.
 Alternativ bietet „Das Gehirn eines Buddha“ von Rick Hanson einen wunderbar wissenschaftlich-achtsamen Blick darauf, wie wir unser Denken gezielt trainieren können.

Gründen trotz Zweifel – wie du lernst, dir selbst zu vertrauen

Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich zum ersten Mal komplett auf mich selbst gestellt war. Kein monatliches Gehalt mehr, keine tägliche Routine im Büro, keine Vorgesetzte – nur ich und meine Ideen. Das gab mir einerseits das lang ersehnte Gefühl von Freiheit, andererseits aber auch viele Zweifel, ob ich mich damit nicht übernommen habe.
 Diese Zerrissenheit kennen wohl die meisten, die gründen. Einerseits Begeisterung, andererseits das nagende Gefühl, vielleicht doch nicht genug zu können. Doch Selbstzweifel müssen nicht dein Feind sein – sie sind ein Schutzmechanismus unseres Gehirns. Problematisch wird es nur, wenn wir ihnen blind glauben.

Mit der Zeit habe ich gelernt: Selbstvertrauen bedeutet nicht, sich immer sicher zu sein. Es bedeutet, auch in Momenten des Zweifels handlungsfähig zu bleiben. Dieses kleine „trotzdem“ macht für mich den Unterschied.

Ein Satz, der mich seither begleitet:
 „Ich weiß es noch nicht – aber ich kann es lernen.“
 Er nimmt der Angst die Endgültigkeit und öffnet Raum für Entwicklung. Statt „Ich kann das nicht“ sage ich heute „Ich kann das noch nicht“.

Ich begann, mir regelmäßig Fragen zu stellen:
 – Was habe ich heute gelernt, auch wenn es anstrengend war?
 – Wo war ich mutig, obwohl das Ergebnis ungewiss war?
 – Worauf kann ich stolz sein – unabhängig von Zahlen?

Je öfter ich das gemacht habe, desto klarer wurde mir: Erfolg hat weniger mit Wissen oder Glück zu tun – sondern mit Vertrauen. Vertrauen in den Prozess, in die eigene Lernfähigkeit und manchmal einfach ins Leben selbst.

Rückschläge gehören dazu – was Resilienz beim Gründen wirklich bedeutet

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich nicht nur die Erfolge, sondern auch die Male, in denen etwas nicht so lief wie geplant. Rückschläge sind beim Gründen nun mal kein Ausnahmezustand – sie sind Teil des Prozesses, und das ist vollkommen normal.

Während der ersten Zeit meiner Selbstständigkeit gab es viele Phasen, in denen sich alles zäh anfühlte. Ich schrieb viele Angebote, die unbeantwortet blieben, und Posts auf Social Media, die kaum Resonanz fanden. Je mehr ich mich anstrengte, desto größer wurde auch mein innerer Druck. Ich war im Kampfmodus – und der lässt irgendwann keine Kreativität mehr zu.

Resilienz bedeutet für mich nicht, einfach durchzuhalten, bis sich der Erfolg endlich einstellt. Es bedeutet, Rückschläge nicht als persönliches Scheitern zu sehen, sondern als Feedback und Lernoption.
 Ich begann also immer mehr, diese Phasen von außen neutral zu beobachten, statt sie direkt für mich zu bewerten. So blieb mir die Freude daran, weiterhin auf Social Media zu posten und es erneut, aber mit einer anderen Strategie, zu versuchen. Mit der Zeit fand ich dann immer besser heraus, was die Leute sehen wollten, und mein Gefühl wurde in steigenden Zahlen bestätigt. Rückblickend hätte ich vermutlich irgendwann aufgegeben, wenn ich diese gedankliche Umkehr nicht gemacht und an mir und meinem Produkt gezweifelt hätte (nach dem Motto: „Keiner will meine Posts sehen – dann ist wohl auch mein Produkt nicht interessant genug.“).

Reflexionsfragen, die ich mir dazu regelmäßig gestellt habe, sind:
 – Was darf ich loslassen, das nicht mehr passt?
 – Was will mir diese Situation zeigen?

Ich führte ein kleines Ritual ein: regelmäßig notierte ich (zusätzlich zu meinem täglichen Ritual, meine noch so kleinen Erfolge am Tag zu zelebrieren) drei Dinge – was in letzter Zeit nicht so gut funktioniert hat, was ich daraus gelernt habe und worauf ich trotzdem stolz und dankbar sein kann.
 Diese Routine half, den Blick zu verschieben: weg vom Mangel, hin zur Entwicklung.
 Gerade in Momenten, in denen ich mich fühlte, als wäre ich gescheitert, waren das wichtige, wenn auch noch so kleine Schritte für späteren Erfolg. Das habe auch ich selbst erst viel später so richtig erkannt.

Werte als Kompass: Warum Klarheit über dein Warum der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg ist

Als ich meine Festanstellung in München kündigte, hielten mich viele für mutig – manche auch für verrückt. Doch es fühlte sich für mich tatsächlich nicht nach Risiko, sondern eher nach einem Abenteuer zu mir selbst an. Ich wollte kein Leben mehr, das sich nach Kalendern und Hierarchien richtet, sondern nach Sinn, Freiheit und Kreativität. Abgesehen davon hatte ich auch immer dieses Urvertrauen in mir, dass ich im Notfall auch immer zurückkehren und einen neuen Job suchen könnte.

Heute lebe und arbeite ich mit meiner Familie in den Abruzzen – in einem alten Steinhaus, das wir in das Casa Abruzzo verwandelt haben. Ein Ort, an dem Arbeit und Leben ineinanderfließen. Wir empfangen Gäste, veranstalten kulinarische Kochreisen, arbeiten am Laptop und genießen gleichzeitig die Nähe zur Natur.

Natürlich ist da nicht alles idyllisch. Es gab und gibt immer noch unzählige Momente des Zweifelns und große Herausforderungen: die italienische Bürokratie (die in unserer Erfahrung tatsächlich noch umständlicher ist als die in Deutschland …), die Renovierungsarbeiten, die bei so einem alten Haus gefühlt nie ein Ende nehmen, sprachliche Hürden, die Familie weit weg. Aber wann immer ich dabei unsicher werde, hilft mir die Erinnerung an meine Werte. Sie geben mir Orientierung und Halt, wenn es von außen schwieriger wird, und zeigen mir, warum es sich lohnt, weiterzumachen.

Reflexionstipp:
 Wenn du deine eigenen Werte klarer definieren möchtest, schreib dir spontan fünf Dinge auf, die dich im Leben wirklich erfüllen – Momente, in denen du dich lebendig, frei oder im Einklang gefühlt hast. Frag dich anschließend, was diese Situationen gemeinsam hatten. Oft zeigen sich darin schon deine wichtigsten Werte. Hier findest du auch eine umfangreiche Auflistung von möglichen Werten zur ersten Orientierung.

Ich frage mich oft: Dient das, was ich gerade tue, meinen Werten – oder nur der Vermeidung meiner Ängste? Diese Frage hat mir oft mehr Klarheit gegeben und dabei geholfen, Herausforderungen als Teil des Prozesses zu sehen. Was meine ich damit konkret? Wenn ich zum Beispiel als Freiberuflerin zu viele Projekte gleichzeitig annahm – aus Angst, eine Gelegenheit zu verpassen oder sonst zu viele Leerzeiten zu haben. Die Folge war oft: Mein Kalender war viel zu voll und mein Kopf aber leer – weil es nicht mehr darum ging, mein Können bewusst einzusetzen, sondern nur noch ums Abarbeiten. Als ich mich fragte, ob diese Arbeitsweise wirklich meinen Werten von Freiheit und Qualität entsprach, war die Antwort klar: nein. Seitdem sage ich seltener Ja – aber bewusster. Und die Aufträge, die bleiben, fühlen sich richtig an.

Werte helfen mir, weiterzumachen, auch wenn sich die Ziele verändern. Sie erinnern mich daran, dass Erfolg für mich nicht nur aus Wachstum besteht. Manchmal heißt Erfolg auch, weniger zu tun – aber eben das Richtige. Und dadurch auch mehr Zeit mit meiner Familie zu haben, kreative Freiheit zu leben, meine Energie in sinnvolle Projekte zu stecken – all das sind für mich wichtige Erfolgsindikatoren beim Gründen, die man nicht in Zahlen messen kann und die ich auch erst aus der Erfahrung heraus selbst als Erfolge bezeichne – anfangs war da nur der Gedanke des „Gut-Verkaufens“.

Vom Denken ins Handeln: Warum Erfolg im Kopf beginnt – und Bewegung ihn sichtbar macht

Gedanken allein verändern nichts – aber sie sind der Anfang von dem, was dann folgt: deinen Gefühlen und deinen Handlungen. Studien aus der Kognitionsforschung zeigen übrigens: Nur etwa fünf Prozent unserer Entscheidungen treffen wir wirklich bewusst – der Rest läuft unbewusst über Routinen, Emotionen und gespeicherte Erfahrungen ab (vgl. Libet 1983; Haynes 2008; Kahneman 2011; Zaltman 2003). Genau deshalb ist es so wichtig, auf unsere Gedanken zu achten: Sie formen jene inneren Muster, die später unser Verhalten steuern.

Wir Gründer:innen denken viel – manchmal zu viel. Zwischen Strategie, Risikoabwägung und Businessplan verliert man leicht mal den Moment, in dem man einfach anfangen müsste. Ich kenne das nur zu gut: dieses endlose Durchdenken, das sich irgendwie auch vernünftig anfühlt, aber in der Realität eigentlich ein Stillstand ist.

Rückblickend habe ich gemerkt: Entscheidungen werden nicht leichter, je länger man über sie nachdenkt. Sie werden sogar eher nur komplexer.
 Der entscheidende Unterschied liegt für mich nicht darin, wann wir entscheiden, sondern woher – aus Angst oder aus Vertrauen.

Meine wichtigsten Schritte in der Selbständigkeit, also die Kündigung meines unbefristeten Arbeitsvertrags, der Umzug nach Italien, der Aufbau von casa abruzzo, die Gründung von zitappy und die Entscheidung, freiberuflich tätig zu sein – fühlten sich ehrlich gesagt nie nach sicheren Entscheidungen an. Aber sie waren getragen von meiner inneren Klarheit: Ich möchte mich ausprobieren und wachsen, es muss nicht perfekt sein.

Erfolg entsteht für mich nicht durch die perfekte Planung, sondern durch Bewegung.
 Das kann zum Beispiel bedeuten, zu handeln und Verantwortung zu übernehmen, ohne bereits alle Antworten zu haben.

Deshalb frage ich mich heute auch nicht mehr, ob etwas funktionieren wird, sondern:

  • Was kann ich heute tun, um meiner Vision näherzukommen?

  • Wie kann ich handeln – im Einklang mit meinen Werten, nicht mit meiner Angst?

Denn für mich beginnt Erfolg im Kopf. Aber er wächst im Herzen – dort, wo deine Leidenschaft, Sinn und Vertrauen zusammenfinden.

Vielleicht ist das eine der schönsten Erkenntnisse aus meinen bisherigen Jahren des Gründens: Wir müssen nicht alles kontrollieren, um erfolgreich zu sein. Wir dürfen auch einfach mal losgehen – mit offenem Geist und der tiefen Überzeugung, dass Energie tatsächlich der Aufmerksamkeit folgt. Wenn du lernst, deine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, auf deine Werte zu hören und trotz Unsicherheit ins Tun zu kommen, entsteht ein sehr wertvolles Fundament. Für mich ist Erfolg kein Zufall, sondern das Zusammenspiel aus unserem Denken, Fühlen und Handeln. Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren!

Autor*in: za

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