
Für viele ist es ein Traum: Sonne, Meer, Espresso unter Palmen. Aber wie realistisch ist das wirklich?
Robert und Christine Caceffo haben genau das gewagt. Sie haben ihr Leben neu ausgerichtet und auf Mallorca ein eigenes Café aufgebaut.
Was nach Leichtigkeit klingt, war in der Realität ein Neustart mit Unsicherheiten, Entscheidungen und jeder Menge Bürokratie. Und genau in dieser Phase kam noch eine weltweite Pandemie dazu, mit der niemand gerechnet hatte.
Ein Café in Spanien zu eröffnen bedeutet eben nicht nur Freiheit, sondern auch Organisation, Geduld und viele Fragen: Wie funktioniert das mit Genehmigungen? Was kommt finanziell auf einen zu? Und worauf sollte man unbedingt vorbereitet sein?
Heute betreiben die beiden das Café Candela in Felanitx auf Mallorca. Ein helles, schlichtes Café mit großen Fenstern, gutem Kaffee und einer klaren Idee.
In diesem Artikel erzählen sie, wie sie diesen Schritt gegangen sind und geben Einblicke, die dir helfen können, wenn du selbst über Auswandern und Selbstständigkeit nachdenkst.
Von sicheren Jobs zur Selbstständigkeit
Bevor sie ihr Café eröffneten, führten Robert und Christine ein ganz anderes Leben: Er war Geschäftsführer einer Fußchirurgischen Gesellschaft, sie leitete ein großes Tagungshaus am Starnberger See.
„Wir hatten beide gute Positionen, gutes Einkommen, aber wir sahen uns kaum noch“, erzählt Robert. „Ich war ständig unterwegs – Deutschland, Österreich, Kongresse, Messen. Christine hatte Wochenenden mit Veranstaltungen. Wir wollten wieder Zeit füreinander.“
Der Gedanke, sich selbstständig zu machen, reifte langsam. „Meine Frau war die Mutigere von uns beiden“, sagt Robert und lächelt. „Sie hat den Stein ins Rollen gebracht.“
Beide kündigten ihre sicheren Jobs. Kein fließender Übergang, kein Teilzeit-Experiment – ein klarer Schnitt. „Wir wollten etwas, das wirklich uns gehört. Etwas, bei dem wir gemeinsam anpacken können.“
Warum Mallorca?
Mallorca war kein Zufall. Robert kannte die Insel von Reisen, sprach bereits Italienisch und lernte Spanisch fast nebenbei. „Mallorca war für uns die perfekte Mischung: spanische Lebensart, aber auch Struktur und Internationalität. Und – ganz ehrlich – hier ist es einfach anders“, sagt er.
Zuerst hatten sie Italien im Blick, aber die Saison dort sei zu kurz. „Auf Mallorca kann man das ganze Jahr arbeiten. Hier gibt’s auch im Winter genug Menschen, die ausgehen.“
Vom Altbau zur Begegnungsstätte
Das Gebäude, das sie fanden, war ein Zufallstreffer: ein ehemaliges Schokoladenhaus in Felanitx mit alter Café-Lizenz. „Ein Riesenglück“, erinnert sich Robert. „Wir mussten trotzdem renovieren, umbauen, Möbel besorgen – und dann kam Corona.“
Statt Touristen: Lockdown. Statt Eröffnung: Baustopp. „Wir hätten damals leicht sagen können: Das war’s“, sagt Christine. „Aber wir wollten nicht aufgeben. Wir haben so viel Herzblut reingesteckt.“
Im Herbst 2020 eröffneten sie schließlich das Café Candela – in einer Zeit, in der kaum jemand an Cafés dachte.
Kein deutsches Café auf spanischem Boden

Was sie von vielen anderen unterscheidet: Sie wollten nie „ein deutsches Café“ eröffnen.
„Viele Deutsche, die hier gründen, bringen ihr Deutschland einfach mit“, sagt Robert. „Wurst, Filterkaffee, deutsche Karte. Wir wollten kein Stück Deutschland exportieren, sondern etwas schaffen, das hier wirklich passt.“
Im Candela wird Spanisch gesprochen, die Karte ist dreisprachig, da auch viele Touristen zum Café finden. Frühstück mit frischen Produkten, Sauerteigbrot, hausgemachte Aufstriche, kein industrieller Kram.
„Unsere Stammgäste sind Mallorquiner“, erzählt Robert. „Sie kommen regelmäßig, grüßen uns mit Namen. Das ist das schönste Kompliment.“
Zwischen Papierkram und Siesta – Gründen in Spanien
„Viele denken, hier ist alles entspannter – das stimmt nur halb“, sagt Robert. „Die Bürokratie ist mindestens so streng wie in Deutschland.“
Vor allem Genehmigungen und Steuern seien anspruchsvoll. „Für ein Café brauchst du eine licencia de apertura – die Betriebslizenz. Die ist an das Gebäude gebunden. Wir haben eine spanische GmbH (Sociedad Limitada) übernommen, weil wir dadurch die Lizenz behalten konnten. Das war viel einfacher, als alles neu zu beantragen.“
Er rät dringend, sich früh professionelle Hilfe zu holen: Steuerberater, Anwalt, Notar.
„Das spanische Finanzamt versteht keinen Spaß. Wer eine Rechnung vergisst oder zu spät einreicht, zahlt Strafe. Wir haben das Glück, eine Beraterin zu haben, die Deutsch spricht – ohne sie wäre es deutlich schwieriger.“
Trotz aller Formalitäten empfindet das Paar den Alltag in Spanien als menschlicher. „Hier bewertet man dich nach dem, was du machst, nicht nach Statussymbolen, wie Auto, Markenkleidung und ähnliches.“
Leben und Arbeiten auf Mallorca
Das Leben als Café-Betreiber sei arbeitsintensiv, aber erfüllend. „Viele denken, man sitzt hier den ganzen Tag mit Kaffee in der Sonne“, sagt Robert lachend. „Aber wir stehen früh auf, bereiten alles vor, kaufen ein, planen. Und nachmittags, wenn das Café schließt, fangen die Büroarbeiten an.“
Dafür ist das Feedback direkt. „Wenn jemand sagt, dass der Kaffee schmeckt oder die Atmosphäre schön ist, weißt du: Das warst du. Das ist dein Werk“, sagt Robert.
Die beiden achten bewusst auf Qualität: gute Bohnen, nachhaltige Produkte, regionale Lieferanten. „Wir kaufen vieles direkt von kleinen Bauern hier auf der Insel“, sagt Robert. „Das ist teurer, aber wir wissen, wo es herkommt.“
Deutsche Gründungsmentalität trifft spanische Gelassenheit
Eines haben die Caceffos schnell gelernt: Deutsche Effizienz und spanische Entspanntheit sind nicht immer kompatibel. „Am Anfang hat es mich verrückt gemacht“, gibt Robert zu. „Handwerker kommen, wenn sie kommen. Und wenn’s heiß ist, wird halt Siesta gemacht. Aber mit der Zeit lernst du, das zu akzeptieren.“
Trotzdem sieht er auch Vorteile: „In Deutschland würde man ewig planen, bevor man loslegt. Hier machen die Leute einfach. Und wenn’s nicht klappt, dann eben neu. Das ist eine gute Lektion.“
„Nicht meckern, machen!“
Robert hat klare Worte für alle, die über eine Gründung in Spanien nachdenken:
„Man braucht Mut, Durchhaltevermögen und einen Plan. Aber vor allem: Respekt vor der Kultur. Wer hier arrogant auftritt, verliert sofort. Wer zuhört, lernt viel.“
Auch finanziell müsse man realistisch bleiben. „Es ist kein Aussteigerleben. Die Lebenshaltungskosten auf Mallorca sind hoch, gerade Mieten. Und wer Personal einstellt, muss für die Seguridad Social (Sozialversicherung) zahlen – das sind schnell 300 bis 400 Euro pro Monat pro Person.“
Trotzdem sei der Schritt kein Fehler gewesen: „Wir würden es wieder machen. Wir leben bewusster, einfacher – und wir arbeiten für uns selbst. Das ist unbezahlbar. Und noch ein Tipp von uns: Nicht zu lange warten, um die materiele Sicherheit mit dem Lebenstraum zu tauschen, denn mit zunehmenden Alter wird es nicht leichter ein Café zu betreiben und den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden.“

Infobox: Gründen in Spanien – was du wissen solltest
Rechtsformen
- Autónomo (Einzelunternehmer): einfachster Weg für Selbstständige, kein Mindestkapital, aber volle Haftung.
- Sociedad Limitada (S.L.): spanische GmbH, Mindestkapital ca. 7.000–8.000 €, geringeres Risiko, mehr Bürokratie.
Genehmigungen
- Licencia de apertura (Betriebslizenz) ist Pflicht und an die Immobilie gebunden.
- Jede bauliche Veränderung braucht eine kommunale Genehmigung (licencia de obras).
Steuern & Buchhaltung
- Einkommensteuer für Selbstständige: IRPF
- Umsatzsteuer: IVA (ähnlich der deutschen MwSt.)
- Quartalsweise Steuererklärungen sind Pflicht.
Versicherungen & Absicherung
- Selbstständige müssen monatlich in die Sozialversicherung (Seguridad Social) einzahlen (ca. 230–300 € Mindestbeitrag).
- Private Krankenversicherung ist weit verbreitet.
- Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist empfehlenswert, ebenso eine Rechtsschutzversicherung.
Sprachkenntnisse & Kultur
- Spanisch ist unerlässlich, Englisch hilfreich.
- Freundlichkeit und persönliche Beziehungen zählen mehr als Formalitäten.
Tipp:
Vor Gründung unbedingt einen gestor administrativo (spanischen Steuerberater) einschalten – sie sind die Schnittstelle zwischen Gründer und Bürokratie.
Ein Fazit in der Nachmittagssonne
Wenn man Robert und Christine Caceffo zuhört, versteht man schnell: Sie sind keine Aussteiger, sondern Macher. Sie haben gute Jobs hinter sich gelassen, um etwas Eigenes aufzubauen – nicht aus Flucht, sondern aus Überzeugung.
„Es geht uns nicht ums Reichwerden“, sagt Robert. „Sondern darum, zufrieden zu sein mit dem, was wir tun.“
Vielleicht ist das das wahre Erfolgsrezept des Café Candela: Es wurde nicht gegründet, um Deutschland an einen anderen Ort zu bringen – sondern um im Ausland etwas Authentisches zu schaffen, das zur Umgebung passt. Probieren Sie doch nächstes Mal einen Café Leche bei Christine und Robert, wenn Sie in Felanitx auf Mallorca sind.

Interview + Autor*in: jw